Vor 50 Jahren 27. Januar 1976
Rückzug aus Angola abgeschlossen
Die Wehrmacht verbleibt im Grenzgebiet - Schutz von Calueque und Ruacana
Kapstadt – Verteidigungsminister P. W. Botha war gestern im Volksrat der erste Sprecher nach dem von dem Oppositionsführer Sir de Villiers Graaff eingebrachten Misstrauensantrag gegen die Regierung. Der Verteidigungsminister nahm ausführlich zur Angola-Frage Stellung. Angola hatte auch die Rede des Oppositionsführers beherrscht. Botha umging in seiner Rede den Abzug der südafrikanischen Wehrmacht aus Angola. Er erklärte jedoch, dass sich Südafrika nicht aus dem Grenzgebiet zurückziehen werde, bis einwandfreie Sicherheitsgarantien für die südafrikanischen Interessen und die Grenzen, für die Südafrika verantwortlich ist, vorliegen.
Nach Berichten aus Angola war der Rückzug der südafrikanischen Wehrmacht aus den Teilen Angolas, die nördlich des unmittelbaren Grenzstreifens liegen, abgeschlossen, als Verteidigungsminister Botha im Volksrat das Wort ergriff.
Der Verteidigungsminister gab eine vier Punkte umfassende Erklärung für das Eingreifen Südafrikas in Angola:
1. Schutz der Arbeiter bei Calueque und Ruacana, die sich geweigert hatten, ohne entsprechenden Schutz weiter zu arbeiten;
2. die Errichtung von zwei Flüchtlingslagern in Südangola, die verhindern sollten, dass Südwestafrika mit Flüchtling überschwemmt wird;
3. Angriffe auf Bewohner von Owambo durch Terroristen, die anschließend im Chaos von Angola Zuflucht suchten;
4. die sowjetische und kubanische Militärhilfe an die MPLA, die dazu geführt hatte, dass die MPLA bis an die Südgrenze Angolas vorgedrungen war.
Der Verteidigungsminister stellte erneut mit Nachdruck fest, dass Südafrika keine territorialen Ansprüche an Angola habe. Südafrika wolle mit allen Ländern im südlichen Afrika in Frieden leben. Südafrika sei jedoch nicht bereit, seine Verpflichtungen in der Grenzzone zu vernachlässigen. Notfalls werde Südafrika vor Vergeltungsschlägen nicht zurückschrecken.
Botha erklärte wörtlich: „Wir sind gegenwärtig im Grenzgebiet, um die Interessen und Grenzen zu schützen, für die wir verantwortlich sind, bis wir einwandfreie Garantien erhalten. Wenn die Ordnung morgen hergestellt ist, ist Südafrika bereit sich sofort zurückzuziehen”
Kurz berichtet
New York – Der Weltsicherheitsrat tritt heute in New York zusammen, um sich mit der Südwestafrikafrage zu beschäftigen. Es ist noch nicht bekannt, ob Südafrika an der Debatte teilnehmen wird.
Luanda – Im angolanischen Krieg sind am Sonntag zum ersten Mal moderne Düsenkampfflugzeuge auf Seiten der MPLA gesichtet worden. Es konnte nicht einwandfrei festgestellt werden, ob es sich um sowjetische Mig 21 oder ehemals portugiesische Fiat G 91 gehandelt hat. Die Flugzeuge sollen mit Kanonen oder Raketen in den Erdkampf eingegriffen haben.
Luanda - Im Raum von Lobito, von Huambo und von Silvo Porto wird mit Angriffen der MPLA auf die Bastionen der Unita gerechnet.
Entwendetes Flugzeug ber Shakawe
Windhoek – Laut einer Mitteilung aus Grootfontein befindet sich die sechssitzige Maschine vom Typ „Piper" im Wert von 60 000 Rand, die am Sonntag vom Flughafen Wonderboom bei Pretoria verschwunden ist, heute an der südwestafrikanischen Grenze nach Botswana in der Höhe von Shakawe, einem Ausflugsziel für Angler. Das Flugzeug setzte am Montag zu seiner ersten Notlandung bei Tsumkwe im Buschmannland an.
Eine Grootfonteiner Chartergesellschaft lieferte noch Kraftstoff an das Flugzeug, nachdem der Pilot in ihrem Büro in Grootfontein darum gebeten hatte. Das Flugzeug musste heute wieder bei Shakawe landen, weil der Kraftstoff wieder ausgegangen war. Es befanden sich Polizeibeamte bei der Maschine, aber es ist nicht bekannt, ob jemand verhaftet wurde und ob es sich um südafrikanische Polizeibeamte oder solche aus Botswana handelte. Die Polizei in Windhoek verfügt noch über keine näheren Einzelheiten über das mysteriöse Flugzeug.
Nellie Jooste, die Frau des Eigentümers der Chartergesellschaft in Grootfontein, beschrieb den Piloten des Flugzeugs als einen „angenehmen Mann" von ungefähr 28 Jahren, der Afrikaans gesprochen habe. Angestellte der Chartergesellschaft versorgten das Flugzeug mit Kraftstoff unter der Annahme, dass es nach Grootfontein weiterfliegen werde. Es wurde jedoch zu einer Notlandung bei Shakawe gezwungen.
Nach Auskunft von Nellie Jooste hat der fremde Pilot, der sich Venter nannte, mit niemandem über das Ziel des Fluges gesprochen. Er war in Shorts, ein Sporthemd und Frotteeslipper gekleidet. Am Flughafen von Wonderboom gilt die Maschine als gestohlen.
Botha besorgt über Presse
Kapstadt – Verteidigungsminister P. W. Botha gab sich am Montag besorgt über gewisse englische und afrikaanse Zeitungen, die sich nicht an das Abkommen über Verteidigungsinformationen hielten. Sie machten durch ihr Verhalten die Übereinkunft zwischen Verteidigungsministerium und der Newspaper Press Union (NPU) lächerlich, sagte Botha in der Misstrauensdebatte im Parlament.
„Ich werde ihre Namen der NPU melden. Ich will es noch einmal versuchen, und wenn das nicht hilft", drohte Botha, „dann muss Paragraph 118 der Verteidigungs-Gesetzgebung angewandt werden." Es sei die Frage gestellt worden, ob die Öffentlichkeit genügend über die Geschehen in Angola unterrichtet werde. Botha bejahte diese Frage. Und dennoch, so führte Botha aus, beriefen sich etliche Zeitungen auf das Urheberrecht, „etwas zu wissen". Er wolle ihnen die Frage stellen, vor wem sie sich verantworteten.
Gegen das Recht der Öffentlichkeit, unterrichtet zu sein, habe er nichts einzuwenden, solange die südafrikanischen Streitkräfte nicht gefährdet und diplomatische Geheimnisse nicht ausposaunt würden. Botha verwies auf die vielen Einladungen, die Korrespondenten und Journalisten in das Grenzgebiet erhalten hätten. Zum anderen sei die NPU auch informiert worden, warum gewisse Nachrichten nicht veröffentlicht werden konnten. Südafrikanische Journalisten hätten jedoch häufiger gegen das Abkommen verstoßen als ausländische Korrespondenten.
Staatsrechtliche Konferenz
Windhoek – Die vier Ausschüsse der Konferenz über die staatsrechtliche Zukunft Südwestafrikas trafen heute zu Sitzungen zusammen. Zwei Ausschüsse begaben sich auf eine Reise durch Südwestafrika, um Probleme, die in ihren Auftrag fallen, an Ort und Stelle zu untersuchen. Über die Reiseroute wird aus Sicherheitsgründen vor der Abreise nichts bekanntgegeben. Die beiden anderen Ausschüsse begannen heute mit der Anhörung von Sachverständigen.


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